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Fieber = Heilung

  • Dr. Szőke Henrik

Die erhöhte Wärmeproduktion während des Fiebers wird durch beschleunigte Stoffwechselprozesse im ganzen Körper und durch eine verminderte Durchblutung der Haut verursacht. Deshalb sind Kinder zu Beginn oft blass und ihre Haut fühlt sich kühl an.

In extremen Fällen frieren sie, zittern oder ihre Muskeln beben. Dies dauert so lange an, bis das Fieber die vom Organismus angestrebte Höhe erreicht hat. Bei vielen Krankheiten ist das Fieber eine der wichtigsten Hilfen zur Genesung. Jedes Kind erlebt Fieber mit unterschiedlichen Begleiterscheinungen. Was können Eltern also tun? Zunächst brauchen sie etwas Sicherheit und praktische Erfahrung im Umgang mit Fieber. Sicherheit entsteht durch Erfahrung und Vertrauen. Wenn wir unsicher oder ängstlich sind, ist das für das Kind nicht gut.

Wo sollte man Fieber messen?
Bei kleinen Kindern misst man Fieber am genauesten rektal. Das Kind sollte bequem auf der Seite liegen. Darauf achten, dass die Spitze des Thermometers vollständig im Enddarm verschwindet.
Säuglinge und kleinere Kinder liegen besser auf dem Rücken. Mit einer Hand hält man die Beine an den Knöcheln fest, in der anderen Hand hält man das Thermometer wie einen Löffel und stützt den kleinen Finger am Gesäß ab. So kann sich das Kind auch bei plötzlichen Bewegungen nicht verletzen. Bei herkömmlichen Quecksilberthermometern reichen ein bis zwei Minuten Messzeit aus.
Bei Verdacht auf eine Bauchfellentzündung (zum Beispiel Blinddarmentzündung) sollte zusätzlich unter der Achsel gemessen werden, um den Unterschied festzustellen. Dabei darauf achten, dass die Spitze des Thermometers mittig in der Achselhöhle liegt und der Oberarm eng am Brustkorb anliegt. Schulter und Arm sollten bedeckt sein.

Unter der Achsel sollte fünf Minuten lang gemessen werden. Diese Methode ist etwas ungenauer. Die tatsächliche Körpertemperatur (die sogenannte Kerntemperatur) liegt etwa 0,5°C höher als der unter der Achsel gemessene Wert. Beim rektal gemessenen Wert muss nichts hinzugefügt oder abgezogen werden, da er ungefähr der tatsächlichen Körperkerntemperatur entspricht.

Achtung! Bei einer Blinddarmentzündung beträgt der Unterschied zwischen der rektalen und der unter der Achsel gemessenen Temperatur gewöhnlich mehr als 0,5°C.

Viele Erwachsene messen die Temperatur im Mund. In diesem Fall empfiehlt es sich, ein separates Thermometer dafür zu verwenden und entsprechend zu kennzeichnen. Messdauer und Genauigkeit entsprechen ungefähr der rektalen Messung.

Wichtig!
Eine Körpertemperatur bis 37,5°C gilt als normal.
Bis 37,9°C spricht man von erhöhter Temperatur.
Erst Temperaturen über 38°C gelten als Fieber.
Auch durch zu viel äußere Wärme kann es zu einer Überhitzung kommen, wenn der Körper Wärme nicht ausreichend abgeben kann. Säuglingen hilft man in solchen Fällen, indem man Mütze oder Windel entfernt.
Auch intensive Bewegung kann die Temperatur über 38°C ansteigen lassen. In solchen Fällen sollte nach einer halben Stunde Ruhe erneut gemessen werden.

Wie hoch das Fieber steigen darf, hängt immer von der jeweiligen Situation ab. Es gibt jedoch Ausnahmen: Hat ein Neugeborenes länger als einige Stunden eine Temperatur über 38°C, ist unbedingt eine ärztliche Untersuchung erforderlich, besonders wenn das Kind nicht trinkt und krank wirkt. Auch ein Kind, dessen Fieber über 40,5°C steigt oder dessen Temperatur ohne fiebersenkende Medikamente um mehr als 1,5°C schwankt, sollte einem Arzt vorgestellt werden.

Was sollte man wann tun?
Wenn das Kind verändert wirkt oder „uns irgendwie nicht gefällt“, sollten wir seine Bewegungen, Augen, Mimik, Nasenflügel und Atmung genauer beobachten. Die Temperatur sollte durch Berühren von Stirn, Schläfen, Rumpf und Gliedmaßen geprüft werden, ebenso der Bauch. Das Fieber sollte ein bis zwei Minuten lang wie oben beschrieben gemessen werden, bei Bauchschmerzen zusätzlich fünf Minuten unter der Achsel. Bei ungewöhnlichen Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Wenn die Gliedmaßen — besonders in den Kniekehlen — kalt sind und das Thermometer 38,5°C zeigt, kann man sicher sein, dass das Fieber weiter steigen wird. Der Organismus gibt an den äußeren Körperteilen weniger Wärme ab, als er zentral produziert. Solange das Fieber auf diese Weise ansteigt, sollten auf keinen Fall kühlende Wickel angewendet werden. Sinnvoller sind warme Umschläge mit Arnika-Essenz oder Zitronensaft an den Handgelenken. Außerdem sollte das Kind warm zugedeckt und ihm etwas Tee angeboten werden.
Achtung! Die Gliedmaßen werden erst warm, wenn das Fieber nicht weiter steigt und der Organismus überschüssige Wärme abgeben möchte.
Wenn die Gliedmaßen vollständig warm geworden sind, können bei Temperaturen über 39°C Wadenwickel oder Waschungen angewendet werden. Angenehm warm begonnen, unterstützt bereits die Verdunstung den Körper dabei, überschüssige Wärme über die Haut abzugeben. In dieser Phase sowie in der letzten Phase des Fieberanstiegs können Zäpfchen aus natürlichen Substanzen (Chamomilla comp., Aconitum/China comp., Viburcol) wohltuend wirken.
Achtung! Kühle Waschungen oder lauwarme Bäder sollten nur angewendet werden, wenn sie für das Kind angenehm sind. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Körper überschüssige Wärme ausreichend abgeben kann. Das Kind sollte lockerer zugedeckt werden als während des Fieberanstiegs.
Die Anstiegsphase des Fiebers geht meist mit Unwohlsein einher, manchmal erbrechen Kinder auch. Kopfschmerzen und Bauchschmerzen sind häufig, lassen aber nach, sobald das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat. Deshalb sollte Essen keinesfalls erzwungen werden; man bietet lediglich etwas lauwarmen Tee an.
Was sollte man bei hohem Fieber ohne Durchfall essen? Viel Flüssigkeit (Tee oder halb Milch, halb Wasser mit wenig Zucker, eventuell lauwarmen verdünnten Sauerkirsch-, Schlehen-, Zitronen- oder Orangensaft), leichte Speisen ohne Kartoffeln sowie wenig Fett und Eiweiß. Ölsaaten, Schokolade und Ähnliches sollten vermieden werden. Es ist normal, dass das Kind in dieser Zeit einige Tage lang nicht zunimmt; verlorenes Gewicht wird später rasch wieder aufgeholt.
Kleidung und Decken sollten immer der Raumtemperatur und dem Fieber angepasst sein. Zugluft vermeiden, aber ausreichend frische Luft gewährleisten. Beim Lüften das Kind gut zudecken und gegebenenfalls Mütze oder Pullover anziehen. Selbst bei sommerlicher Hitze sollte das Kind leicht mit einem dünnen Baumwolltuch bedeckt werden. Wichtig ist stets, dass die Gliedmaßen warm bleiben und das Kind sich wohlfühlt.
Unruhige Kinder decken sich trotz Fieber oft auf, stehen auf oder wollen herumlaufen. Deshalb sollte immer ein Erwachsener in der Nähe sein, der singt, summt, Geschichten erzählt oder einfach ruhig in der Nähe beschäftigt ist.
Sehr hilfreich kann auch ein mobiles Kinderbett auf Rollen sein, das die Mutter überall in der Wohnung mitnehmen kann.